Die Logistikbranche 2026: Szenarien, Prognosen und Maßnahmen für das kommende Jahr

Die Logistikbranche 2026: Szenarien, Prognosen und Maßnahmen für das kommende Jahr

Auch 2025 stand die Logistikbranche vor erheblichen Herausforderungen: Fachkräftemangel, steigende Kosten und immer komplexer werdende Lieferketten prägen die aktuelle Situation vieler Unternehmen und verlangen ein hohes Maß an Agilität und Weitsicht. Vor diesem Hintergrund tritt regelmäßig der Gipfel der Logistikweisen zusammen: Dort entwickeln Vorstände und Entscheidungsträger aus verschiedenen Branchen gemeinsam Prognosen, die die möglichen Entwicklungen des kommenden Jahres skizzieren. Aus diesen Analysen formuliert das Gremium konkrete Empfehlungen für Politik und Wirtschaft, um die Branche gezielt auf bevorstehende Veränderungen vorzubereiten.

Drei mögliche Szenarien für 2026

Für das Jahr 2026 liegen bislang nur wenige belastbare Basisprognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung vor: Die allgemein unsicheren Rahmenbedingungen machen eine verlässliche Vorhersage zu detaillierten Entwicklungen nahezu unmöglich. Aus diesem Grund fällt der Prognosekorridor breiter aus als in den Vorjahren. Um trotzdem eine Orientierung für den Logistiksektor abzugeben, haben die Logistikweisen drei unterschiedliche Szenarien für das kommende Jahr entwickelt. Diese spiegeln sowohl die pessimistischen als auch die optimistischen Einschätzungen des Expertengremiums wieder und bilden so eine Bandbreite plausibler Entwicklungen ab. Das sogenannte Trendszenario beschreibt die Prognosen, die den wahrscheinlichsten Verlauf des nächsten Jahres beinhalten.

Best Case

Im Best-Case-Szenario entwickeln sich die wichtigsten Industrien positiv und nutzen die aktuellen Ausblicke optimistisch. Die gesamtwirtschaftliche Inflation verläuft moderat, sodass sich Preisentwicklung und Nachfrage insgesamt stabil zeigen. In der Logistik kommen verfügbare Kapazitäten und nachgefragte Leistungen weitgehend ins Gleichgewicht, was zu einer entspannten Marktsituation führt. In diesem Szenario ist ein reales Wachstum von bis zu +1,1 Prozent (nominal +3,2 Prozent) möglich.

Worst Case

Im Worst-Case-Szenario gehen Nachfrage und Volumina in zentralen Schlüsselindustrien sowie bei den privaten Haushalten weiter zurück. Lediglich Bereiche mit ohnehin geringer logistischer Gesamtbedeutung verzeichnen leichte Zuwächse. Gleichzeitig steigen die Logistikkosten stärker als die allgemeine Inflation, was zu einer ausgeprägten „Logistikinflation“ führt. Insgesamt entstehen mehr Kapazitäten auf der Angebotsseite, als Nachfrage vorhanden ist. Dies deutet auf Überkapazitäten hin und verschärft den Wettbewerb zusätzlich. In diesem Szenario würde die Wirtschaft real um 0,4 Prozent schrumpfen.

Trendszenario

Im Trendszenario steigt die Nachfrage in einigen wenigen Branchen leicht, stagniert jedoch in den meisten Wirtschaftszweigen. Die Preisentwicklung folgt weiterhin einer moderaten, inflationsnahen Linie. Allerdings wachsen die Kosten etwas stärker als die erzielbaren Preise, wodurch der Margendruck in der Logistik zunimmt. Im Trendszenario könnte das nominale Wachstum +2,6 Prozent betragen, das reale Wachstum +0,5 Prozent. Für das Expertengremium ist dies der wahrscheinlichste Verlauf für das Jahr 2026.

Die größten Herausforderungen für die Logistikbranche

Die Aussichten für das kommende Jahr bleiben also insgesamt gedämpft. Unternehmen, insbesondere in der Logistik, sehen sich weiterhin mit einem anspruchsvollen Marktumfeld konfrontiert.

Fachkräftemangel und schwierige Rahmenbedingungen

Auch 2026 wird die Logistikbranche voraussichtlich durch den anhaltenden Mangel an qualifizierten Fachkräften unter Druck stehen. Insbesondere Fahrpersonal, IT-Fachkräfte sowie Spezialisten in Planung und Steuerung fehlen. Digitale Unterstützung in Planung und Disposition kann den Druck etwas mindern, weil wiederkehrende Aufgaben schneller erledigt werden. Gleichzeitig bleibt die finanzielle Situation privater Haushalte angespannt: Konsumentinnen und Konsumenten konzentrieren sich zunehmend auf notwendige Anschaffungen, was zu einer Stagnation bei der Nachfrage nach Logistikleistungen führt. Diese gesellschaftlichen Rahmenbedingungen belasten die Investitionsbereitschaft am Markt und verschärfen den ohnehin bestehenden Personalengpass.

Unsichere weltpolitische Lage

Viele politische Vorhaben brauchen wegen langer Genehmigungsprozesse und fehlender Planungskapazitäten deutlich mehr Zeit, bis sie in der Branche ankommen. Obwohl mehr Infrastruktur- und Bauprojekte geplant sind, wirken sie sich aufgrund fehlender Planungskapazitäten voraussichtlich erst in kommenden Jahren positiv auf die Logistik aus. Auch der versprochene Bürokratieabbau kommt nur schleppend voran, was Investitionen und Umsetzungsprojekte ausbremst. So hängt die wirtschaftliche und logistische Entwicklung stark von der volatilen weltpolitischen Lage ab – eines der größten Hauptrisiken der Branche.

Langsame Digitalisierung trifft auf hohe Cyberrisiken

Laut den Logistikweisen werden Digitalisierung und Automatisierung auch im kommenden Jahr eine große Rolle spielen. Allerdings steht der enorme Bedarf an technologischen Lösungen einer schleppenden Umsetzung gegenüber. Da auch hier qualifiziertes Personal fehlt und Unternehmen nur wenig investieren, schreiten KI- und Digitalisierungsprojekte nur langsam voran. Stattdessen gibt es lediglich kleine Projekte, die die Produktivität minimal steigern. Ein Transport-Management-Systemen (TMS) oder ein Warehouse-Management-Systemen (WMS) lässt sich in vielen Betrieben ohne langwierige Umbauten einführen und sorgt danach für deutlich stabilere Abläufe.

Die größte Herausforderung stellt die Cyber-Sicherheit dar: Zunehmende Cyberangriffe binden einen wachsenden Anteil der IT-Budgets und blockieren Investitionen in andere wichtige IT-Initiativen. Unternehmen, die auf stabile, sauber gepflegte und zertifizierte IT-Systeme setzen, können ihre Risiken senken und Spielraum für andere Digitalprojekte zurückgewinnen.

Schwache globale Nachfrage

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft bleibt 2026 stark abhängig von der weltweiten Nachfrage. Branchen wie Automobil, Maschinenbau und Chemie stagnieren. Das größte prognostizierte Wachstum kommt voraussichtlich aus der Bauwirtschaft, die allerdings einen geringen Logistikanteil hat. Hinzu kommen Leerstände im Immobiliensektor, die logistische Aktivitäten reduzieren. Währenddessen schreitet die Marktkonsolidierung, vor allem bei Transportunternehmen, weiter voran. Für die Logistik bedeutet das: stärkerer Wettbewerb bei gleichzeitig steigenden Kosten.

Nachhaltigkeit hat keine Priorität

Nachhaltigkeitsaspekte, die in den letzten Jahren immer wichtiger wurden, verlieren kurzfristig an Bedeutung. Unternehmen müssen sich stärker auf betriebliche Kernthemen und ihre operative Effizienz statt auf ökologische Investitionen fokussieren, weil Ressourcen knapp sind. Steigende Stromkosten belasten die Betriebe zusätzlich. Vor allem die Umstellung auf alternative Antriebe kommt nur langsam voran. Einzig Logistikimmobilien bleiben weiterhin innovative Vorreiter.

Chancen für das kommende Jahr

Aus diesen Herausforderungen ergeben sich gleichermaßen Chancen, die Unternehmen nutzen können, um auch im kommenden Jahr handlungsfähig zu bleiben.

Digitalisierung und Automatisierung

Die Investitionsbereitschaft ist gering, große Transformationsprojekte nahezu unmöglich – dennoch sollten Unternehmen gezielt digitale und KI-gestützte Lösungen einsetzen, um Prozesse effizienter zu gestalten. Schon kleine Maßnahmen können erste Effekte erzielen. Funktionen wie automatisierte Auftragsübernahmen, Tourenplanung und intelligente Vorschlagsmechanismen – wie sie TMS-Systeme wie WinSped bieten – reduzieren den täglichen Aufwand, verschaffen Teams gerade in hektischen Phasen einen besseren Überblick und entlasten die Disposition spürbar. Auch der Bedarf an IT- und Sicherheitslösungen steigt. Die Investition in eine zuverlässige, sichere und wartbare Software ist vorteilhaft, etwa für Monitoring und Compliance.

Kooperationen und Konsolidierungen

Partnerschaften zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen können Innovationsprozesse beschleunigen und gleichzeitig Investitionsrisiken reduzieren. Insbesondere in frühen Phasen kann eine Kooperation den Einstieg in neue Technologien vereinfachen. Konsolidierungen und verschlankte Strukturen benötigen modulare Softwarelösungen, die sich flexibel an wechselnde Anforderungen und Geschäftspartner anpassen. Ein modulares TMS wie WinSped oder das LIS Warehouse Management (LWM) unterstützt das, da sich einzelne Funktionen je nach Partnerstruktur schnell konfigurieren lassen.

Resilienz und Risikomanagement

Im Zuge globaler Unsicherheiten, geopolitischer Risiken und volatiler Märkte spielen die Stabilisation von Lieferketten, eine angepasste Kapazitätsplanung und ausfallsichere IT-Systeme eine zentrale Rolle. Ein robuster Umgang mit Störungen, sowohl technologischer als auch wirtschaftlicher Art, ist entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.

Transparente Kapazitätsübersichten, verlässliche Datenflüsse und IT-Systeme, die potenzielle Störungen frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen unterstützen, können hier entscheidende Stabilität schaffen – etwa durch Softwarelösungen von LIS, die präzise Monitoring- und Steuerungsfunktionen bereitstellen. Insgesamt stellen Effizienzsteigerungen, technologische Modernisierungen, Kooperationen sowie Resilienz die zentralen Hebel für eine zukunftsfähige Logistikbranche dar. Entscheidend ist, dass Unternehmen Werkzeuge wählen, die sie langfristig tragen, nicht nur kurzfristig entlasten.

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